Willkommen im Land der Dinosaurier


 
 

Autor: Ernst Stimmer



 

… oder wie der
Software-
entwickler
sagen würde:
COBOL

 

COBOL. Klingt ein bisschen wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit, irgendwo zwischen Lochkarten und Röhrenmonitoren. Und ja, ganz falsch ist das nicht. Aber bevor du jetzt innerlich abschaltest:

Ohne COBOL würde unsere moderne Welt ziemlich schnell ins Wanken geraten.

Willkommen in einer Welt, die älter ist als viele Programmiersprachen und gleichzeitig unverzichtbarer denn je.

 

Ein paar harte Fakten
(die dich überraschen könnten)


 

Name
Common Business-Oriented Language

Geburtsjahr
1959

Einsatzgebiet
Kaufmännische Anwendung auf (überwiegend) Großrechnern

Heute noch aktiv
Banken, Versicherungen, Behörden, Automobilbranche

Codebasis
Über 800 Milliarden Zeilen sind noch produktiv im Einsatz

Finanzwelt
Rund 80 % aller täglichen Transaktionen weltweit laufen über COBOL

Technik
Läuft auf sogenannten Mainframes – extrem robust, extrem schnell, aber auch … extrem teuer

Ablösung
Wird versucht. Wirklich.

 

 

Eine kleine,
aber wahre
Geschichte

Anruf bei einer Hotline wegen
Problemen mit dem Mainframe.

Hotline: „Was arbeiten Sie?“
Ich: „Ich bin Programmierer.“
Hotline: „Oh cool, welche Sprache?“
Ich: COBOL.“
Hotline: „Was?“
Ich: „Was?“


Die geheimnisvolle Insel
der COBOL-Entwickler


 

COBOL-Entwickler sind eine ganz eigene Spezies. Sie leben – zumindest gefühlt – auf einer kleinen, abgeschotteten Entwicklerinsel.

Und ganz ehrlich: Eigentlich müsste sich jeder täglich bei ihnen bedanken.

Denn sie halten Systeme am Laufen, mit denen wir mehrmals täglich unbemerkt interagieren. Ohne sie? Würde vieles stillstehen.

 

Oder drastischer formuliert:

Ein gleichzeitiger Ausfall aller COBOL-Systeme wäre ein ­digitaler Herzinfarkt.

 

Die Folgen?

  • Zusammenbruch der Finanzwelt

  • Stillstand von Infrastruktur und Logistik

  • Chaos in der öffentlichen Verwaltung

 
 

Kurz gesagt:
Ihr braucht uns.

 

 

COBOL ist wie Wein

Alt? Ja.
Aber schlecht? Ganz im Gegenteil.

COBOL ist verständlich, strukturiert und überraschend zugänglich.
Hier ein kleines Beispiel, das sogar Nicht-Programmierer verstehen:

 
 
 

Man sieht:
Gar nicht so kompliziert, oder?

 

 
 

Die Hürde: Mainframe

Was viele abschreckt, ist die Mainframe-Umgebung.

Ein Mainframe ist strukturell ganz anders aufgebaut und nicht mit einem klassischen PC vergleichbar. Man arbeitet ausschließlich mit der Tastatur – Buttons zum Anklicken gibt es in COBOL-Masken nicht.

Auch das Compilieren läuft anders ab:
Es braucht eine Reihe von Befehlseingaben. Kein einfaches „F9 drücken“ und das Programm startet.

Warum viele zögern

Das schreckt viele junge Kolleginnen und Kollegen ab, sich in die COBOL-Welt zu begeben. Stattdessen möchten sie lieber coole, stylische Apps programmieren.

 

 

Anspruchsvoll, aber unverzichtbar

Hört sich alles negativ an? Ist es aber nicht.

Wie oben erwähnt, ist COBOL ein existenzieller Bestandteil für den reibungslosen Ablauf des täglichen Lebens. Die Programme, die wir betreuen, sind weltweit im Einsatz. Die dahinterliegende Datenbank hat 80 Millionen Zugriffe am Tag.

Das ist ein spannendes Umfeld.
Ein in der EDV manchmal angewendeter „Schreitest“ würde bei uns eher einen „Zylonardo“ auslösen – eine Mischung aus Tornado und Zyklon, also die stärksten Winde, die es gibt.

Genau das macht die Arbeit anspruchsvoll.

 
 

 
 

Modernisierung und Chancen

Das Bestreben, COBOL zu modernisieren, bietet Entwicklern, die sich sowohl in COBOL als auch in Java auskennen, extrem gute Joboptionen.

Ich habe eine Stellenanzeige gesehen, in der einem COBOL-Entwickler
70 Tage Urlaub im Jahr geboten wurden.

Solche Ablösungen verlaufen schrittweise:

  • Java-Programme können mit der DB2-Datenbank auf dem Mainframe kommunizieren

  • Die Benutzeroberfläche kann modern gestaltet werden

  • Im Hintergrund bleibt zunächst der Mainframe bestehen

  • Später erfolgt die Migration der Datenbanken

Dafür braucht es COBOL-Entwickler, die bestehende Strukturen verstehen, Konzepte zur Umstellung entwickeln und den Prozess begleiten.

Beide Sprachen zu beherrschen und die Technologien anwenden zu können, ist daher extrem wertvoll.

Und ja – COBOL muss langfristig abgelöst werden.
Schon allein für den Fall, dass der oben gezeigte Quellcode doch ein falsches Ergebnis liefert.

 

Ein Tag COBOL – unsere Azubis


 

Auch unsere Azubis haben sich der Herausforderung gestellt:

Ein Tag COBOL entwickeln.

 

André

Ubey

Momo

 

Sie haben sich Programmiertechniken und Konzepte angeschaut, Arrays und Stringverarbeitung umgesetzt und am Ende des Tages ein Lottoprogramm programmiert.

 

Der Tag hat allen Spaß gemacht.

Während sie am Anfang noch vor gefühlt mit Spinnweben benetzten Rechnern saßen, hatten sie am Ende ein ganz anderes Bild. 

Money, Money, Money.

Sie haben gesehen, wie schnell man COBOL lernen kann und dabei wichtige Konzepte wie Sortieren, Gruppenwechsel und Stringverarbeitung verstanden.

Viele Methoden, die moderne Programmiersprachen bereits als Funktionen mitbringen, müssen in COBOL teilweise selbst entwickelt werden.

Ein klarer Vorteil: COBOL regt zum Denken an.

 
 

Von Spinnweben
zu „Money,
Money, Money“.
COBOL kann überraschen.

 

 

Fazit:

Wenn du Lust hast, dir etwas anderes anzuschauen und in eine Nische einzusteigen,
deren Nachfrage sehr groß ist, dann mach dich auf den Weg zu COBOL.

 


Zurück
Zurück

Eine Firma mit Herz

Weiter
Weiter

Zukunftstag