Für den Notfall vorbereitet
Autor: Sandra Quoll
Erste Hilfe
Kurs!
Hoffentlich
brauchen wir
es nie.
Im März war es endlich so weit: Wir haben von der Firma aus einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Spannend, wichtig – und wenn wir ehrlich sind: Bei vielen von uns lag der letzte Kurs irgendwo zwischen Führerscheinprüfung und Wählscheibentelefon. Also durchaus ein paar Jahre her … oder Jahrzehnte.
Der Kurs fand in Oldenburg in unseren Büroräumen statt. Das fand ich persönlich sehr schön, weil ich mich dort immer sehr wohl fühle. Wir aus Braunschweig sind deshalb schon einen Abend vorher angereist. Der Kurs startete nämlich früh, und so konnten wir den Abend noch gemütlich mit einigen Kollegen aus Oldenburg verbringen – bei Bier oder Wein, Döner, guten Gesprächen und … nun ja … sagen wir mal interessanter Musik.
Der Kurs startet –
erst Papierkram, dann Ernstfall
Am nächsten Morgen begrüßte uns Dominik, unser Erste-Hilfe-Coach, schon gut gelaunt. Los ging es – wie immer ganz demokratisch – mit Unterschreiben und Formalitäten. Danach kamen wir aber schnell zum Wesentlichen.
Nach einem kurzen Austausch über unser vorhandenes Wissen landeten wir ziemlich schnell beim wichtigsten Thema:
Was mache ich, wenn eine Person bewusstlos ist?
Die wichtigsten Schritte – kurz erklärt
Das Ganze lässt sich gut merken mit:
Anschauen | Ansprechen | Anfassen
Anschauen: Liegt die Person regungslos da?
Augen offen oder geschlossen?Ansprechen: Laut ansprechen: „Hallo, können Sie mich hören?“
Anfassen: An der Schulter rütteln und prüfen, ob eine Reaktion kommt.
Keine Reaktion? Brille ab (falls vorhanden), dann: Atmung prüfen!
Kopf vorsichtig nach hinten überstrecken,
damit die Atemwege frei sind.
Dann sehen, hören, fühlen, ob die Person atmet.
Und ganz wichtig: Hilfe rufen!
Andere Leute ansprechen oder direkt Notruf 112 wählen.
Stabile Seitenlage (SSL)
Wenn die Person normal atmet, kommt sie in die stabile Seitenlage.
Kurz erklärt:
1. Nahen Arm im rechten Winkel nach oben legen
2. Gegenüberliegendes Bein anwinkeln
3. Entfernten Arm mit der Handrückseite an die Wange legen und festhalten
4. Person zu sich herüber auf die Seite drehen, so dass er auf der Seite liegt
5. Kopf nach hinten überstrecken
Wichtig:
Die Person möglichst auf die linke Seite legen. Gerade bei Schwangeren kann das Drehen auf die rechte Seite problematisch sein, weil die Blutversorgung beeinträchtigt werden kann. Mit der linken Seite ist man auf der sicheren Seite.
Üben, üben,
üben!
Nach der Theorie durften – bzw. mussten – wir das Ganze natürlich üben. Immer mit Partner und mehrfach hintereinander. Das war teilweise wirklich lustig. Sätze wie:
„Bartek, mach die Augen zu,
du bist bewusstlos!“
oder ein sehr zaghaftes
„Hilfe, Hilfe…“
waren durchaus zu hören.
Aber wir waren uns alle einig:
Das mehrmalige Üben war super wichtig. Man merkt erst beim Machen, wo man unsicher ist.
Herzrhythmusmassage –
anstrengender als gedacht
Auch die Herz-Lungen-Wiederbelebung kam nicht zu kurz. Nachdem wir das Thema ausführlich besprochen hatten, durfte jeder an die Übungspuppe.
Hier gilt die Zauberformel:
30 : 2
Aber ganz wichtig: Als erstes immer den Notruf (112) wählen!
Dann:
30-mal drücken
(Herzdruckmassage)2-mal beatmen
(Mund oder Nase)Das Ganze wiederholen,
bis der Notarzt da ist
Ich war ehrlich gesagt ziemlich überrascht, wie anstrengend das ist. Als ich dran war, passierte erstmal gefühlt gar nichts und ich musste wirklich meine ganze Kraft einsetzen. Das war schon erschreckend – aber genau deshalb ist Üben so wichtig.
Im Ernstfall sind es wahrscheinlich auch mehr Durchgänge. Deshalb ist es besonders wichtig, laut um Hilfe zu rufen, damit jemand dazukommt. Einen Partner zum Abwechseln bei der Herzdruckmassage zu haben, ist extrem hilfreich – alleine hält man das auf Dauer kaum durch.
Wiederbelebung macht nicht nur den Bewustlosen fit.
Anonym
Wo passieren die meisten Unfälle?
Nach der Mittagspause mit leckerer Pizza ging es weiter mit einer Statistik, die uns alle überrascht hat:
Zu Hause: 35 %
Freizeit: 30 %
Arbeit: 25 %
Verkehr: 10 %
Fazit
Die meisten Unfälle passieren dort, wo man sich am sichersten fühlt: zu Hause.
In 90 % der Fälle müssen wir Menschen in Notfallsituationen helfen, die wir kennen und schätzen.
Daher geht Erste Hilfe alle an und Jeder einzelne macht den Unterschied.
Verhalten bei einem Autounfall
Auch das Verhalten als Ersthelfer bei einem Autounfall haben wir wiederholt.
Beispiel:
Ein Auto fährt gegen einen Baum – was tun?
1. Hinter dem Unfall parken (eigenes Auto als Schutz)
2. Warnblinker an
3. Warnweste anziehen
4. Warndreieck aufstellen
Innerorts: ca. 50 m
Außerorts: 100 m (besser 150 m)
Autobahn: 150 – 400 m
5. Warndreieck vom Unfallauto auf der gegenüberliegenden Seite aufstellen
(Kleiner Insider: Auf Autobahnen natürlich nicht!)
Dann:
6. Notruf 112 – die 5 W-Fragen:
Wo ist es passiert?
Was ist passiert?
Wie viele Verletzte?
Welche Verletzungen?
Warten auf Rückfragen
7. Zum Unfallauto gehen und ansprechen
8. Bewusstsein und Atmung prüfen
9. Je nach Situation:
Atmung vorhanden → stabile Seitenlage
Keine Atmung → Wiederbelebung (30 : 2)
Starke Blutung → Druckverband
Person ansprechbar → betreuen, beruhigen, warm halten
10. Bei der verletzten Person bleiben, bis der Rettungsdienst kommt
Merksatz für Erste Hilfe:
Absichern
Notruf
Helfen
Druckverband –
auch das haben wir geübt
Natürlich haben wir auch gelernt, wie man einen Druckverband anlegt und wie man z. B. einen Gegenstand fixiert, der in einer Wunde steckt. Das durften wir ebenfalls an Kollegen ausprobieren – und ja, auch das war teilweise ziemlich lustig, wenn man die Bilder sieht.
Schlaganfall erkennen – jede Minute zählt
Typische Anzeichen (Merksatz: FAST):
Face (Gesicht): Mundwinkel hängt, Gesicht wirkt schief
Arms (Arme): Ein Arm kann nicht gehoben werden oder sinkt ab
Speech (Sprache): Sprache ist verwaschen oder unverständlich
Time (Zeit): Sofort handeln!
Was tun?
Sofort Notruf 112 wählen
Betroffene Person beruhigen und nicht allein lassen
Oberkörper leicht erhöht lagern
Nichts zu essen oder trinken geben
Atmung beobachten
Herzinfarkt erkennen – schnell reagieren
Typische Anzeichen:
Starke, anhaltende Schmerzen in der Brust (oft Druck oder Enge)
Schmerzen können in Arm, Rücken, Kiefer oder Bauch ausstrahlen
Atemnot, Übelkeit, kalter Schweiß
Angstgefühl („Todesangst“)
Was tun?
Sofort Notruf 112 wählen
Person beruhigen und nicht alleine lassen
Oberkörper erhöht lagern (entlastet das Herz)
Enge Kleidung öffnen
Bei Bewusstlosigkeit: Atmung prüfen
→ keine Atmung:
sofort Wiederbelebung (30 : 2)
Ganz wichtig:
Lieber einmal zu viel den Notruf wählen als einmal zu wenig.
Bei beiden Fällen gilt: Zeit retten = Leben retten.
Unser Fazit zum Erste-Hilfe-Training
So, das war eine kleine Zusammenfassung von unserem Ersthelfer-Training, an dem 15 wissbegierige Oakies teilgenommen haben und die sich jetzt tatsächlich Ersthelfer nennen dürfen.
Mit dabei waren Thomas, Markos, Bartek, André, Sandra, Jan, Marco, Katarina, Micha, Marcel, Max, Dirk, Florian, Holger und Christian.
Ich hoffe natürlich, dass wir das Gelernte nie anwenden müssen.
Aber bereit wären wir.
Auf jeden Fall werde ich jedes Mal wieder so einen Kurs machen, wenn ich die Gelegenheit bekomme.
Eine Auffrischung kann nie schaden. Ich fühle mich jetzt auf jeden Fall deutlich sicherer und ich glaube, wenn man das regelmäßig übt, kann man im Ernstfall wirklich helfen.
Ich habe Wissen, das überflüssig ist. Dafür habe ich Wissen nicht, das ich brauche. Jetzt habe ich Wissen, das ich hoffentlich niemals brauche.
Jan
Dominik, Coach
Erste Hilfe ist
mehr als Pflicht
Zu erst einmal möchte ich mich bei den Oakis bedanken, für die herzlichen und tollen Stunden bei euch.
Wir haben in der Zeit die wir verbracht haben Vieles wiederholt und aufgefrischt. Ich habe mich sehr gefreut wie motiviert und wissbegierig ihr wart und freue mich voller Stolz sagen zu können jeder von Euch hat das Zertifikat am Ende mehr als verdient.
Erste Hilfe ist für viele Betriebe öde Pflicht aber ihr habt gezeigt das Erste Hilfe auch ein Teamevent sein kann, das JEDER von euch den Unterschied macht und Erste Hilfe so viel mehr als nur Wunden verbinden ist. Ihr schafft zusammen mit mir und den anderen Ersthelfern eine Kultur des Hinsehen und Eingreifens.
Das macht mich sehr stolz.